Institut

für

Afrikastudien

Nachruf

Eckhard Breitinger

Das Institut für Afrikastudien der Universität Bayreuth und alle ihm angeschlossenen Institute und Einrichtungen trauert um Prof. Dr. Eckhard Breitinger, einem Mann der ersten Stunde der Bayreuther Afrikaforschung.

breitinger

Bis in die späten 1970er Jahren verlief sein Weg zu den anglophonen Literaturen und dem Theater Afrikas nicht geradlinig. Sein Interesse am Fremden und Neuen war aber bereits während seines Studiums der Anglistik, Geschichte, Vor- und Frühgeschichte sowie Archäologie an der Universität Tübingen ausgeprägt. In den 1960er Jahren verbrachte er Auslandssemester in der Schweiz und in Wales. Nachdem er sein Studium für das Lehramt 1966 abgeschlossen hatte, zog es ihn nicht in den Schuldienst seiner schwäbischen Heimat sondern für zwei Jahre als Lecturer an die University of the West Indies in Jamaika. 1971 wurde er an seiner Alma Mater im Fach Anglistik zum „Tod im englischem Roman um 1800“ promoviert. Erst 1980 mit seiner Tätigkeit als Senior Lecturer an der Nkrumah University in Ghana, davor lagen Jahre als Assistent sowie als Lehrer an Gymnasien in Tübingen, entwickelten sich Afrika und die afrikanischen Diasporen weitgehend zum Mittelpunkt seiner Interessen. Seine im Wintersemester 1986/87 eingereichte Habilitationsschrift zum „Rundfunk und Hörspiel in den USA 1930-1950“ erscheint in diesem Zusammenhang lediglich als Exkurs in die Amerikanistik. Sowohl im Sonderforschungsbereich „Identität in Afrika“ (1983-1997) als auch im Graduiertenkolleg „Interkulturelle Beziehungen in Afrika“ (1991-1999) fungierte er an der Universität Bayreuth als Teilprojektleiter.

Seine Lehr- und Forschungstätigkeit beschränkte sich nicht nur auf die Universität Bayreuth sondern durch zahlreiche Gastprofessuren in Europa und vor allem in Afrika war sein Wirkungskreis wahrlich transnational. Bis zuletzt und schon längst im Ruhestand, also befreit von administrativen Aufgaben und einem fixen Lehrdeputat, stellte er seine Beziehungen und Erfahrungen immer wieder in die Dienste der Universität Bayreuth. So unterstütze er aktiv den Aufbau eines Netzwerkes von afrikanischen Absolventen der Universität Bayreuth und fungierte als Mentor von Studierenden der Bayreuth International Graduate School of African Studies.

Er hatte den Anspruch Afrika und seine kulturelle Vielfalt außerhalb Afrikas bekannt zu machen. Seine akademische Lehrtätigkeit und tatkräftige Unterstützung von Nachwuchswissenschaftlern war nur eine seiner mannigfaltigen Strategien. So gab er sich nicht damit zufrieden, seine Forschungsergebnisse ausschließlich für ein akademisches Publikum zu publizieren; er popularisierte sie auch in zahlreichen Hörfunksendungen, journalistischen Beiträgen, Vorträgen, Fotoausstellungen oder Lexikonbeiträgen. Eine weitere Strategie war seine Verlegertätigkeit. In den etwa 100 Monographien und Sammelbänden seiner Bayreuth African Studies Series publizierte er zu Fragen afrikanischer Literatur, Linguistik, Musik, Theater, Soziologie, Religionen und Kulturen Afrikas. Damit bot er Afrikawissenschaftlern und afrikanischen Wissenschaftlern gleichermaßen ein Forum ihre Forschungen zu veröffentlichen.

Über 30 Jahre – er kam im Wintersemester 1980/81 als Koordinator für den neu eingerichteten Afrikaschwerpunkt nach Bayreuth – prägte er wie kaum ein anderer ganze Generationen von Nachwuchswissenschaftlern und Kunstschaffenden aus aller Welt. Die Nachhaltigkeit seiner Tätigkeit ist in der Tat konkret fassbar. Wer sich als Wissenschaftler in Süd- Ost- oder Westafrika bewegt und sich als ein Mitglied der Universität Bayreuth zu erkennen gibt, dem passiert es häufig, dass sich der Gesprächspartner als ehemaliger Schüler von Eckhard Breitinger entpuppt. Aber auch auf internationalen Konferenzen mit Afrikabezug kommt es immer wieder zu Begegnungen mit dem Netzwerk seiner ehemaligen Studierenden, Teilnehmern an von ihm organisierten internationalen Konferenzen sowie von ihm betreuten DAAD und Humboldt Stipendiaten. Dass dieser Personenkreis sich auch nach dem Verlassen Bayreuths sich unserer Universität weiterhin verbunden fühlt, ist nicht nur der Exzellenz der hiesigen Afrikaforschung geschuldet sondern auch der legendären Gastfreundschaft Eckhard Breitingers. Er war ein Vertreter der raren Spezies, die sich auch um die von ihm eingeladenen Gäste – und sie waren zahlreich – intensiv kümmern und unter anderem auch die kulturellen Eigenheiten Oberfrankens gerne vermitteln. Eckhard Breitingers Verdienste für die Afrikaforschung sind sowohl für Bayreuth als auch an allen anderen Wirkungsstätten seiner unermüdlichen Schaffenskraft gar nicht hoch genug zu würdigen.