Institut

für

Afrikastudien

Lokales Handeln in Afrika im Kontext globaler Einflüsse - Teilprojekt C1


  

Leitung:


  

Prof. Dr. Franz Rottland


  

Prof. Dr. Erwin Beck



Lehrstuhl:

Pflanzenphysiologie

Kontakt:

erwin.beck@uni-bayreuth.de

Mitarbeiter:

Laufzeit:

07 / 2003 - 12 / 2004

Internet:

http://www.pflanzenphysiologie.uni-bayreuth.de/pfl...

Das Teilprojekt ist auf das Wohngebiet der Digo ausgerichtet, die eine von neun Untergruppen der Mijikenda an der kenianischen Küste darstellen. Kennzeichnend für alle Mijikenda ist der Gruppenbesitz von Kayas ("heiligen Wäldern"). Botanisch zeichnen sich die Kayas durch größeren Artenreichtum aus. Das „Expertenwissen“ der Kaya-Elders soll ermittelt und in seiner Systematik mit der wissenschaftlichen Botanik kontrastiert werden. Dies erlaubt zunächst einen statischen Vergleich zwischen einem lokalen und einem (vom Anspruch her) universalen botanischen Kognitionssystem. Das Expertenwissen ist aber nicht repräsentativ für die heutige Digo-Gesellschaft. Es gibt zudem Anzeichen dafür, dass dieses Wissen mit der globalen, d.h. wissenschaftlichen Botanik und deren Begrifflichkeit konkurriert (z.B. in der Schule und in der landwirtschaftlichen Fortbildung). Für die Erforschung des lokalen Wissenssystems und dessen Kontrastierung mit dem universalen System wurde ein neuer botanisch-linguistischer Forschungsansatz entwickelt, bei dem zum einen das sprachlich (begrifflich) fixierte Wissen und das außersprachliche (im Handeln erkennbare) Wissen in gleicher Weise untersucht wird. Zum anderen werden erstmalig die Feldforschungsmethoden und –werkzeuge gemeinsam von beiden Disziplinen entwickelt und benutzt, während bisher bei ethnobotanischer Forschung nur jeweils eine Disziplin der anderen Hilfestellung leistete. In der zweiten Phase wird das Eindringen der wissenschaftlichen Botanik als globales Element über die Schulen, die Hochschulen und über die landwirtschaftliche Beratung in das Gebiet der Digo untersucht. Ihm gegenüber steht das lokale botanische Wissen und Handeln, erfassbar als Komplex aus den drei Komponenten (1) „traditionelles“ Wissen, (2) Einfluss der wissenschaftlichen Botanik (Schule) und (3) Reaktion der Digo-Bauern auf wissenschaftsbasierte landwirtschaftliche Beratung. Die bisherigen Erkenntnisse über das lokale Digo-Wissen und das Eindringen wissenschaftlicher Botanik müssen nun im Digo-Gebiet abgesichert und räumlich und zeitlich strukturiert werden. Die derzeitigen Untersuchungen dienen einmal der Schaffung eines repräsentativen Samples, von dem bisher vor allem die Extreme (Medizinmänner und Schüler, bislang aber noch kaum Frauen) erfasst wurden. Unsere vorläufige Beurteilung der jeweiligen Stärken und Schwächen des Lokalen und des Globalen soll stärker differenziert werden, denn der bisherige Eindruck eines eher fragmentarischen und wenig kohärenten Wissens bedarf sorgfältiger Prüfung. Die Notwendigkeit, das Pflanzenwissen der Digo zeitlich und räumlich zu strukturieren, ergibt sich aus der Tatsache, dass die flächige Darstellung einerseits das historische Bewusstsein der Digo als Volk der Mijikenda ignoriert, andererseits die belegbare ehemalige Existenz einer grenzübergreifenden Küstenregion mit regem Austausch aller Mijikenda untereinander und mit den swahilisprachigen Gruppen (islamische Tradition) vernachlässigt. Es soll versucht werden, das Pflanzenwissen der Digo in Digo-spezifisches, aus dem Mijikenda ererbtes und von den Nachbarn gelerntes zu trennen. - Das Projekt wird in der 2. Phase des SFB abgeschlossen.


The Digos inhabit the very South of Kenya’s coast. As one of the nine subgroups of the Mijikenda the Digos maintain sacred forests, the so-called Kayas which as remnants of the virgin coastal forests are stell of mythic significance. Kaya forests are considered untouchable and only the Kaya elders are allowed to collect plant material for medicinal purposes. In that way the persistence of Kayas has conserved the herbalist’s profession and in turn the traditional Digo knowledge and views of plant life. Since the Digos were the first Mijikenda subtribe which separated from the whole group, the indigenous Mijikenda knowledge may, at least partly, have been preserved in its original form. On the other hand, modern plant science is taught in the schools, and via consultants has been spread since decades in the farming population. The project aims at a comparison of a possible indigenous Digo system of plant knowledge with modern botany. Herbalists as well as farmers, teachers, pupils and students are being interviewed and the old knowledge and the modes of tackling the traditional and the modern knowledge are extracted from the answers. These interviews are performed as joint field studies of linguists and plant scientists in which not only verbal information is seeked but actions such as plant material collection, plant identification and treatment of patients are observed and discussed as well. Interviews are further used to differentiate between the original Digo plant knowledge and the influence of the Suahelis (Islam) on the understanding of plants and plant life in the Digo tribe. The interviews have shown that plant knowledge of the herbalists and also of farmers is rather punctual and that a general system of looking upon plant life would presumably surmounts the scope of the indigenous people.