Institut

für

Afrikastudien

Visions of Nature: Concepts of Appropriating and Conserving Nature in Africa


  

Leitung:


  

Prof. Dr. Georg Klute


  

Prof. Dr. Michael Hauhs


  

Prof. Dr. Martin Doevenspeck



Lehrstuhl:

Bayreuth Academy

Kontakt:

michael.hauhs@uni-bayreuth.de

Mitarbeiter:

Mtata, M.A. Kupakwashe
Berner, Prof. Dr. Ulrich

Laufzeit:

2012 - 2016

Internet:

http://www.bayreuth-academy.uni-bayreuth.de/en/tei...

Im westlichen Denken, spezifisch in den Naturwissenschaften, werden Mensch und Umwelt als Beziehungen zwischen natu ̈rlichen Objekten im Raum untersucht. Dieser Ansatz wurde aus Sicht der Modelle als Wissenschaft der Anschauung (engl. Science of Seeing) bezeichnet (Pearl, 2000). Die Umweltforschung betrachtet sich als ein angewandtes Gebiet.


In der Moderne haben Menschen die Fähigkeit perfektioniert Objekte im Raum wahrzunehmen. Von der Erfindung (beziehungsweise Wiederentdeckung) der räumlichen Perspektive in der Renaissance bis zum alltäglichen Gebrauch von Satellitenbildern bei der Navigation im Straßenverkehr, haben Menschen gelernt, mit den Verzerrungen der räumlichen Wahrnehmung umzugehen. Das perspektivische Modell wurde zu einem impliziten und allta ̈glichen Instrument. Zu Beginn der Epoche der modernen Wissenschaft war die Frage des Standortes menschlicher Beobachter und der Erde im Universum ein wichtiges Problem. Heute wissen wir, wie wir Bilder von Objekten jeglicher Grö̈ße machen und lesen können, sei es die Größe von ganz Afrika oder der Erde. Das gilt für beliebige räumliche Entfernungen.


Die zweite Art der Wahrnehmung aus Sicht der Modelle wurde als Kunst des Handelns (engl. Art of Doing bezeichnet). Dieses Konzept entspricht einer Hervorhebung von partizipativen Umweltbeziehungen in der Kulturanthropologie (engl. Dewelling; Ingold, 2011. Im Teilprojekt ‘Naturvisionen‘ verwenden wir Nutzungstraditionen von Ökosystemen wie etwa bei Nomaden, Pastoralisten oder Ackerbauern als Beispiele. Der Ansatz der Kunst des Handelns ist dabei bisher kaum formalisiert. Es soll getestet werden, ob der derzeitige Unterschied zwischen beiden Haltungen, der Wissenschaft der Anschauung und der Kunst des Handelns, historische oder faktische und logische Gründe aufweist. Benötigen und besitzen die Wahrnehmungen und Interpretationen von Geschichte und besonders von Zukunft, entsprechende Korrekturen für (zeitliche) Verzerrungen, wie diejenigen, die uns im Umgang mit räumlicher Wahrnehmung zur Routine geworden sind?


Heute sehen sich viele Zeitgenossen in einer besonderen Rolle gegenü̈ber der Geschichte der Umwelt. Einige Europäer fühlen sich seit den Kampagnen von Prof. B. Grzimek zur Serengeti auch verantwortlich für die Erhaltung afrikanischer Ökosysteme. Die heutige geologische Epoche ist aus einer ähnlichen Haltung heraus sogar zum Anthropozän umbenannt worden, da Menschen unweigerlich ihre lokalen und die globale Umwelt prägen (Crutzen, 2002). Es ist offensichtlich, dass diese Wahrnehmung der Rolle des Menschen als Epochengebend, stark von Modellen geprägt ist: etwa des Klimawandels oder der Dynamik von Ökosystemen. In diesem Teilprojekt werden wir solche ‘westlichen Modelle‘ denen von Gruppen in Afrika gegenüberstellen. Dabei geht es um unterschiedliche Begriffe der Aneignung und Bewahrung (von Natur). Wir interessieren uns dabei besonders für die unterschiedlichen Wahrnehmungen und Verzerrungen von Ereignissen als zeitliche Folgen. Wir vermuten auch hier implizite Modelle für die Korrektur dieser Modelleffekte, das heißt, wie verschiedene Beteiligte historische und künftige Ereignisse interpretieren, sei es die Geschichte eines Ökosystems oder eines Kontinents. Das gilt für beliebige zeitliche Abstände.


Als Ausgangspunkt zur Identifikation und Klassifikation der impliziten Modelle von Geschichte und Zukunft der Natur werden wir die ‘Ethno-Kosmologien‘ von Descola, 2011 verwenden. Die Fallstudien werden einerseits Nationalparks in Afrika sein, wo wir gegensätzliche Modellvorstellungen erwarten, andererseits die Aneignung der Klimadebatte in Afrika, wo ebenfalls unterschiedliche implizite Modelle erwartet werden. Diese Untersuchen werden in Kooperation mit dem DFG Projekt “economy of sacred space” (U. Berner) durchgeführt.


In Western thinking, particularly in natural science, human-environmental relationships are conceptualized as natural objects related in space. This approach has been termed ‘science of seeing’ which is most rigorously exemplified by physics (Pearl, 2000). Within the natural sciences, environmental studies are perceived as applied sciences only.


Recently, humans have become experts how to perceive themselves in space. Starting from the Renaissance invention of spatial perspective, to the routine use of satellite images in Google earth, many have learned today how to cope with distortions of spatial perception; models of spatial perspective have become entirely implicit. At the beginning of the era of modern sciences, the question of where human observers and the earth were located in the universe was a hotly debated issue. Today, we know how to read (and make) pictures of any size of objects, even of the whole of Africa or the globe, and that at arbitrary spatial distances.


The second way of perceiving the world from a modeling perspective has been termed ‘art of doing (Pearl, 2000). It corresponds with notions of dwelling in anthropology (Ingold, 2011). In the project, we use ecosystem management traditions such as nomadism, pastoralism, or agriculture as examples. The ‘art of doing’-approach is hardly formalized. We want to test, whether the difference between the ‘science of seeing’ and the ‘art of doing’-approaches has historical rather than logical or factual reasons. Do temporal perceptions (of history and especially future) need similar corrections for their (temporal) distortions like those which are routine for spatial perceptions?


Today, many see themselves in a special role with respect to environmental history. Since the campaigns of Prof. B. Grzimek for the Serengeti, some Europeans feel responsible to preserve African ecosystems. The current epoch has even been renamed as Anthropocene, because humans today inevitably shape their local and global environment (Crutzen, 2002). It is evident, that the perception of the human role in environmental history depends heavily on models: of climate change or of the autonomous dynamics of ecosystems. The project will inspect several instances of such models, confronting those used by stakeholders in Africa (categorized by the project as appropriation) with occidental perceptions (categorized as conservation). We are particularly interested to find out how different models and their encounters distort the respective perceptions of time. We conjecture that all stakeholders of nature are in need of corresponding routines to cope with potentially temporal distortions, i.e. they need to know how to read historical or future events, and that at arbitrary temporal distances.


As a starting point of identifying and classifying implicit models of the history and future of ‘nature’ we use a classification of “ethno-cosmologies” from (Descola, 2005). Case studies will be firstly national parks in Africa, where we assume divergent models to clash; secondly, the appropriation of the climate change discourse in Africa, where we assume to find divergent underlying models. These investigations are cooperating with the DFG project “economy of sacred space” (U. Berner).