Institut

für

Afrikastudien

Lokaler Konsum im globalen Kontext: Konsum und Güterbeschaffung in drei westafrikanischen Gesellschaften


  

Leitung:


  

Prof. emerit. Dr. Gerd Spittler



Lehrstuhl:

Ethnologie

Kontakt:

gerd.spittler@uni-bayreuth.de

Mitarbeiter:

Verne, PD Dr. Markus

Laufzeit:

2000 - 2006

Internet:


Die ethnologische Konsumforschung erlebt seit gut 20 Jahren einen großen Aufschwung. Auch inner- halb der Globalisierungsdebatte kommt dem weltumspannenden Konsum von Dingen und Zeichen eine besondere Rolle zu, da hier Prozesse der Übernahme und der Aneignung von Neuem sehr explizit zu Tage treten. In diesem Teilprojekt wird der Konsum von Gütern im Zusammenhang mit ihrer Beschaffung untersucht. Ziel ist dabei, die aktuelle Konsumdebatte in zweifacher Hinsicht auszuweiten: 1. thematisch: Indem nicht, wie ansonsten üblich, urbane Zentren das Untersuchungsgebiet bilden, sondern westafrikanische Dörfer, wird der Konsum in bisher noch kaum berücksichtigte Kontexte gesetzt (wie z.B. finanzielle Knappheit, familiäre oder nachbarschaftliche Verpflichtungen). 2. methodisch: Durch einen Zugang, bei dem die materielle Ausstattung des Haushalts als Gesamtheit den Ausgangspunkt bildet, wird die Perspektive nicht von vornherein auf globale Güter beschränkt, sondern es werden auch lokale Produkte miteinbezogen; erst so treten Unterschiede zwischen diesen Kategorien tatsächlich zu Tage. Dieser Ansatz kommt durch empirische Studien, die auf der Grundlage von Haushaltsinventaren basieren, zum Ausdruck. Ein wichtiges Ziel des Projektes ist es, einen Überblick über die lokalen Kontexte globaler Güter in den drei Forschungsregionen (Tuareg und Hausa in Niger, Kassena in Burkina Faso) zu erarbeiten. Primär in Bezug auf Haushalte, jedoch bereits auch für Läden und Märkte verfolgen wir die Fragen, wie präsent von außen kommende Güter sind, welcher Stellenwert ihnen beigemessen wird und welche Bedeutung sie für den alltäglichen Umgang mit Dingen haben. In der aktuellen Projektphase werden zum einen diese Fragen weiter verfolgt, zum anderen treten verstärkt Prozesse des Gütererwerbs und der Aneignung in den Mittelpunkt. Dies bezieht sich vor allem auf Dynamiken des Kaufens und Verkaufens bei Handwerkern, in Läden oder auf regionalen Märkten, es werden jedoch auch unausgeglichene Formen des Tausches wie beispielsweise Razzien (Tuareg) oder das Schnorren (Hausa) berücksichtigt. Erste Ergebnisse zeigen, dass sowohl der methodische Zugang, als auch die inhaltliche Konzeption des Projektes die Diskussion zum Thema bereichern. So zeigte sich beispielsweise, dass Aneignungsprozesse es häufig nicht mehr ermöglichen, lokale und globale Güter klar voneinander abzugrenzen. Auch aus emischer Perspektive spielt diese Unterscheidung eine eher beigeordnete Rolle, wenngleich hier durchaus ethnische Unterschiede bestehen. Das für das Forschungsthema “Konsum” in vergleichbaren Studien kaum je gewählte setting der Forschung wirkt sich ebenfalls aus. So lässt eine generelle Knappheit der Mittel die Grenzen des Konsums in den Vordergrund treten; auch die Tatsache, dass “Konsum und Güterbeschaffung” immer unter den Augen anderer Dorfbewohner stattfindet, wirkt auf die Prozesse selbst zurück. An dieser Stelle deuten sich die Möglichkeiten an, zu übergeordneten Fragen nach dem Zusammenhang von Konsum und Güterbeschaffung, dem Wesen der Lokalisierung oder auch von Armut beitragen zu können.