Institut

für

Afrikastudien

Black Paris - Kunst und Geschichte einer schwarzen Diaspora


  

Leitung:


  

Prof. Dr. Tobias Wendl



Lehrstuhl:

Iwalewa-Haus

Kontakt:

tobias.wendl@uni-bayreuth.de

Mitarbeiter:

Laufzeit:

09 / 2005 - 02 / 2008

Internet:

http://www.iwalewa.uni-bayreuth.de

Black Paris – Kunst und Geschichte einer schwarzen Diaspora. Gefördert durch die Kulturstiftung des Bundes. Paris, die Kapitale des einstigen französischen Kolonialreichs, ist inzwischen selbst zur größten afrikanischen Enklave Europas geworden. Etwa jeder fünfte Einwohner des an die 12 Millionen Menschen zählenden Pariser Großraums hat afrikanische, karibische oder afroamerikanische Wurzeln. Am Beispiel von Paris lassen sich wie unter einem Mikroskop – räumlich und zeitlich verdichtet und zugleich vielstimmig kommentiert – all jene kulturellen und künstlerischen Prozesse der Interaktion und Métissage veranschaulichen, die für die Beziehungen zwischen Nord und Süd, zwischen Europa, Afrika (aber auch Afroamerika und der Karibik) konstitutiv sind. Das Projekt schlägt einen Bogen von der kolonialen Selbstinszenierung und der Entdeckung der „art nègre“ zu Beginn des 20 Jhds., über die Rekrutierung afrikanischer Soldaten im Ersten Weltkrieg, den Surrealismus, den Jazz und die Négrophilie der Zwischenkriegs¬zeit, über das von Aimé Césaire und Léopold S. Senghor initiierte und später nach Afrika hinausgetragene Projekt der Négritude, die Migrantenströme der 1960er und 1970er Jahre und die von ihnen geprägten Stadtviertel, bis hin zu all jenen Diaspora-Initiativen, Geschäften, Verlagen und Agenturen, dank derer Paris zu Beginn des 21 Jahrhunderts zum unangefochtenen (Welt-)Zentrum der afrikanischen Mode, Musik, Kunst und Literatur avancierte. Das Forschungs- und Ausstellungsprojekt BLACK PARIS versucht diese Entwicklung in einer doppelten, kunsthistorischen und zugleich dokumentarischen Perspektive zu erschließen und darzustellen. Im Mittelpunkt stehen die Arbeiten von Künstlern, Schriftstellern, Kulturschaffenden, Politikern und Theoretikern sowie der zeit- und geistesgeschichtliche Hintergrund, vor dem sie ihre Wirkung entfalten konnten. Die Gliederung ist chronologisch und umfasst fünf thematische Sektionen:


1. Rückblende: Koloniale Ikonografien, art nègre und schwarze Soldatenpräsenz.


2. Die Negrophilie der Zwischenkriegszeit (Surrealismus und Harlem Renaissance).


3. Négritude: Schriftsteller und Künstler entwickeln in Paris das Programm einer afrikanischen Moderne.


4. Stadtbilder und Stadtviertel im Wandel: zur Topografie des schwarzen Paris.


5. Migration und Métissage: die zeitgenössische Kunstszene zu Beginn des 21. Jahrhunderts.


Ziel des Projekts ist es, das in Paris verortete und immer dichter sich knüpfende Netz kultureller und künstlerischer Beziehungen zwischen Afrika und Europa sowie die aus ihm sich speisenden neuen Muster der Transkulturation und der Métissage in ihrer historischen Vielschichtigkeit zu erfassen, zu würdigen und im Rahmen einer Tourneeausstellung einem breiten Publikum vorzustellen. Der Akzent liegt dabei auf der Kreativität und dem Neuen, das aus den Prozessen der Vermischung entsteht. Idee und Konzept: Tobias Wendl und Bettina von Lintig. Kuratorin: Kerstin Pinther. MitarbeiterInnen: Olivier Sultan, Hannelore Kiefer, Hélène Leray. Kooperationspartner: Museum der Weltkulturen, Frankfurt a.M., Ausstellungshalle Schulstrasse, Frankfurt a.M., Ixelles-Museum Brüssel, Musée des arts derniers Paris.