Institut

für

Afrikastudien

Gesundheitssicherung im Kontext sozialer Differenzierung


  

Leitung:


  

Alexander Schulze



Lehrstuhl:

Entwicklungssoziologie

Kontakt:

alexander.schulze@novartisfoundation.org

Mitarbeiter:

Laufzeit:

2004 - 2013

Internet:

http://www.entwicklungssoziologie.uni-bayreuth.de/...

Gemeindebasierte Krankenkassen stellen für ländliche Bevölkerungen Afrikas eine neue Form der Gesundheitssicherung dar. Eingeführt und gefördert von der internationalen Zusammenarbeit in den 1990er Jahren, finden sie allmählich Eingang in die Lebenswelten dieser Gruppierungen. Doch obwohl die Zahl dieser Lokalversicherungen steigt, sind sie in kaum einem Land Afrikas flächendeckend verbreitet und erreichen nur eine Minderheit der Bevölkerung. Auch wenn gemeindebasierte Krankenkassen an sich strukturell klein angelegt sind, so decken viele auch in ihrem lokal begrenzten Einzugsgebiet kaum 10% der angestrebten Bevölkerung ab. Die große Mehrzahl dieser freiwilligen, zumeist ehrenamtlich geführten Krankenkassen besteht lediglich aus einigen hundert bis zweitausend Versicherten.


Die gesundheitsökonomisch geprägte Analyse zu den Ursachen, weshalb gemeindebasierte Versicherungen ihr Potenzial bisher nicht ausschöpfen, hat sich zunächst auf technische, organisatorische und finanzielle Aspekte der Krankenkassen und Gesundheitsdienste konzentriert. In der Folge sind aber auch „soziale“ Faktoren wie die weit verbreitete Armut ins Zentrum gerückt. In diesem Zusammenhang sind erste Vergleichsstudien zwischen versicherten und unversicherten Haushalten durchgeführt worden, die zwar vor allem auf sozioökonomische Besser- und Schlechterstellung fokussieren, aber auch soziokulturelle Faktoren untersucht haben. Bislang fehlt es an Analysen, die signifikante Einflussfaktoren sowie Charakteristika unversicherter und versicherter Haushalte systematisch zu typischen Bündeln zusammenführen und erklären helfen.


Forschungsfragestellung


Die Forschung in zwei ländlichen Lokalitäten Malis schließt an diese Vergleichsstudien an. Dabei wurde die Analyseperspektive über sozioökonomische Unterschiede hinaus auf sozial-räumliche, soziokulturelle und -politische Elemente sowie intrafamiliäre Strukturen erweitert. Da bisher kaum erprobte Modelle vorliegen, mit deren Hilfe soziale Differenzierungen in afrikanischen Gesellschaften mit Kategorien der lokalen Lebenswelten zugleich umfassend und systematisch beschrieben werden können, besteht ein Teil der Forschungsarbeit in der Entwicklung eines operationalisierbaren Bezugrahmens zur Analyse sozialer Differenzierung. Ziel ist es, nicht nur verschiedene Haushaltstypen herauszuarbeiten, die sich durch spezifische Lebensführungsmuster auszeichnen, sondern auf dieser Basis auch Erklärungsmuster für die Wahl ihrer jeweiligen Sicherungsstrategien einschließlich der Krankenkassenmitgliedschaft zu entwickeln.


Methodik


Die empirische Forschung basiert auf einem Methoden-Mix. Neben 600 strukturierten Haushaltsbefragungen zu Lebensführungsmustern und Sicherungsstrategien wurden sowohl halbstrukturierte Gruppendiskussionen mit jüngeren/älteren Frauen und Männern, MigrantInnen sowie Krankenkassenverantwortlichen als auch Einzelinterviews in ausgewählten Familien zu Entscheidungsabläufen und Solidaritätsformen innerhalb von Familien geführt.