Institut

für

Afrikastudien

Transformationen sozialer Elternschaft bei den Ethnien im Norden der Republik Bénin


  

Leitung:


  

Prof. Dr. Erdmute Alber



Lehrstuhl:

Sozialanthropologie

Kontakt:

erdmute.alber@uni-bayreuth.de

Mitarbeiter:

Martin, Dr. Jeannett

Laufzeit:

2001 - 2007

Internet:

http://www.ethnologie.uni-bayreuth.de/de/research/...

Unterschiedliche Formen sozialer Elternschaft sind ein in Westafrika verbreitetes Phänomen. Im Forschungsprojekt werden gelebte Praxis, Normen und Konflikte um soziale Elternschaft bzw. Kinderpflegschaften, auch unter dem Aspekt des Wandels, untersucht. Dazu wurden Feldforschungen bei zwei im Norden der Republik Bénin siedelnden bäuerlichen Gesellschaften, den Baatombu und den Mokollé, durchgeführt. In die Erhebungen wurden neben den ländlichen auch städtische Kontexte einbezogen. Im ländlichen Milieu wird vor allem nach vergangenen und gegenwärtigen Formen und der gelebten Praxis sozialer Elternschaft gefragt sowie nach damit im Zusammenhang stehenden Normen und deren Veränderung. Im städtischen Milieu geht es insbesondere um die Beschreibung neuerer Formen (z.B. Dienstmädchenverhältnisse, Ausbildungspflegschaften , temporäre Unterbringung im städtischen Milieu und, soweit vorhanden, die Unterbringung städtischer Kinder im dörflichen Milieu). Dabei wird u. a. der Frage nachgegangen, inwiefern diese neueren Formen auf Einflüsse der traditionellen, ländlichen Formen von Kindspflegschaft zurückgeführt werden können bzw. wie diese die Formen im ländlichen Kontext beeinflussen.


Zur sozialen Elternschaft bei den Baatombu (Bearbeitung: Erdmute Alber) liegen bereits umfangreiche Forschungsdaten vor. Im dörflichen Baatombu-Milieu wuchsen früher in einigen Dörfern mehr als die Hälfte aller Kinder nicht bei ihren leiblichen Eltern sondern bei anderen, zumeist verwandten Personen auf. Diese soziale Praxis erodiert unter dem Einfluss von Modernisierungsprozessen, ist im dörflichen Milieu aber noch heute anerkannt und verbreitet.


Die bereits geleisteten Forschungsarbeiten und publizierten Ergebnisse bildeten eine wesentliche Grundlage für die bei den Mokollé durchgeführte Vergleichsstudie (Bearbeitung: Jeannett Martin, ab 2005). Mit Hilfe der Nutzung gleicher bzw. ähnlicher Erhebungsinstrumente und Methoden wird nach Aufschlüssen über die Vergleichbarkeit der sozialen Phänomene und nach Hinweisen auf Erklärungsmuster für die verbreitete soziale Praxis der Kinderpflegschaften gesucht. Zum aktuellen Zeitpunkt kann bereits gesagt werden, dass auch in dieser bäuerlichen Gruppe noch vor einer Generation sehr hohe Pflegschaftsraten existierten und diese gegenwärtig in einem deutlichen Rückgang begriffen sind.


Die empirischen Ergebnisse der beiden Fallstudien aus Nordbenin werden auch im Zusammenhang neuerer theoretischer Arbeiten zu Kinderadoption und Kinderpflegschaften diskutiert.


Different forms of social parenthood are widespread in West Africa. Our project examines praxis, functions, norms and conflicts in the field of social parenthood. Therefore, we conduct case studies among two ethnic groups in Northern Benin, the Baatombu and the Mokolle. The research takes place in rural as well as in urban areas. In the rural milieu we emphasize on past and current forms and the praxis of social parenthood and their connections to norms, conflicts and their change. New forms of social parenthood which are possibly connected to adoption (e.g. maids, boarding schools, temporary placement in urban areas, and if existent, temporary placement of urban children in rural areas) are of interest in the urban milieu. The empirical results of the two case studies shall be discussed in the context of new theoretical publications in the field of adoption and fosterage in West Africa.