Institut

für

Afrikastudien

Klimawandel, Umweltveränderungen und Migration: Sozial-ökologische Bedingungen von Bevölkerungsbewegungen am Beispiel der Sahelländer Mali und Senegal

Ziele des Vorhabens

Zentrale Forschungsfrage des beantragten Vorhabens ist es, welche sozial-ökologischen Bedingungen Migrationsbewegungen auslösen können und wie diese Bedingungen durch den Klimawandel beeinflusst werden. Dabei wird davon ausgegangen, dass unterschiedliche Anpassungsstrategien von Individuen, Gruppen und Gesellschaften an (klimabedingte und nichtklimabedingte) Umweltveränderungen von jeweils spezifischen sozial-ökologischen Bedingungen abhängen. Diese Bedingungen sind geprägt von ökologischen, sozialen, demographischen, ökonomischen sowie politischen Faktoren. Gemeinsam bilden diese Faktoren einen komplexen Wirkungszusammenhang, der den Kontext für Migrationsentscheidungen darstellt. Im Projekt wird der Frage nachgegangen, ob und wie sich diese Bedingungen durch gesellschaftliches und politisches Handeln gezielt verändern lassen, um Migration als einzig mögliche, letztlich erzwungene Anpassungsstrategie zu vermeiden.

Um die zentrale Forschungsfrage empirisch fundiert zu bearbeiten, konzentriert sich das Vorhaben auf solche Regionen in Entwicklungsländern, in denen Umweltveränderungen durch den Klimawandel verstärkt werden und wo für die Zukunft mit einer starken Zunahme von Migrationsbewegungen zu rechnen ist. Die Thematik wird am Beispiel des Problems der Landdegradation in den benachbarten Sahelländern Mali und Senegal untersucht. Beide Länder stehen beispielhaft für Regionen in Afrika (und darüber hinaus), die stark von Dürren, Landdegradation und Desertifikation betroffen sind und in denen der Klimawandel derartige Entwicklungen vermutlich weiter verschärfen wird. Zugleich verzeichnen beide Länder starke Binnenmigrationen und bilden eine Schnittstelle zur internationalen Migration.

Die Studie verfolgt im Wesentlichen folgende Ziele:

  1. Entwicklung von Systemwissen: Es soll ein besseres Verständnis über die komplexen Wechselbeziehungen zwischen klimabedingten Umweltveränderungen und Migrationsprozessen entwickelt werden. Besonders soll die Frage verfolgt werden, wie Umweltveränderungen durch die davon Betroffenen vor ihrem jeweiligen sozialen, kulturellen und biographischen Hintergrund wahrgenommen, antizipiert und bewertet werden. Es sollen Erkenntnisse gewonnen werden, welche Bevölkerungsgruppen aus welchen Gründen wann migrieren (oder nicht migrieren) und welchen direkten oder indirekten Einfluss Umweltveränderungen auf die Migrationsentscheidungen haben. Auf dieser Basis sollen differenzierte Hinweise auf die spezifische Vulnerabilität von Individuen, Gruppen und regionalen Gemeinschaften gegenüber Umweltveränderungen gewonnen werden.
  2. Entwicklung von Methodenwissen: Durch den sukzessiven Aufbau eines Bayes’schen Netzes soll eine Methode entwickelt werden, die die Integration des naturwissenschaftlichen Wissensstands zu den naturräumlichen Folgen regionaler Klimaveränderungen (ermittelt z.B. durch Fernerkundung) mit sozialwissenschaftlichen Erkenntnissen über den Zusammenhang von Umweltveränderungen und Migration unterstützt; auf dieser Basis soll zudem ein Verfahren entwickelt werden, das empirische Erkenntnisse und Methoden sowie theoretische Ansätze der Migrationsforschung anschlussfähig an Konzepte und Methoden der sozialwissenschaftlichen Umweltforschung und der Entwicklungsforschung macht.
  3. Entwicklung von Orientierungswissen: Praktisches Ziel ist es, Schlussfolgerungen für politische Entscheidungsträger und relevante Akteure zu ziehen. Es sollen Gestaltungs- und Entscheidungsspielräume aufgezeigt werden, in denen die Anpassungsfähigkeit von Individuen, Gruppen und regionalen Gemeinschaften an Umweltveränderungen gesteigert werden kann, um erzwungene Migrationen zu vermeiden. Auf diese Weise soll eine Brücke zwischen wissenschaftlichem Wissen und gesellschaftlichem Handeln geschlagen werden. Überdies ist es Ziel, die zentralen Projektergebnisse einer breiten Fachöffentlichkeit zugänglich zu machen. Dadurch sollen wesentliche Impulse für den Diskurs über den Zusammenhang von klimainduzierten Umweltveränderungen und Migration in Wissenschaft und Politik gegeben werden.

Institut für sozial-ökologische Forschung (ISOE), Frankfurt am Main, Deutschland
Dr. Diana Hummel
E-Mail: hummel@isoe.de

Universität Bayreuth, Geographisches Institut, Bayreuth, Deutschland
Dr. Martin Doevenspeck
E-Mail: doevenspeck@uni-bayreuth.de

Universität Wien, Institut für Geographie und Regionalplanung, Wien, Österreich
Prof. Dr. Cyrus Samimi
E-Mail: cyrus.samimi@univie.ac.at

Finanziert vom BMBF, Förderlinie sozial-ökologische Forschung "Soziale Dimensionen von Klimaschutz und Klimawandel, 01.10.2010 - 30.09.2013