Institut

für

Afrikastudien

Wissen, Kommunikation und Grenzen

In diesem Bereich gibt es Forschungsprojekte zu den vielfältigen Formen der Mobilität und Translokalität Afrikas; zu den kulturellen Grenzen und Identitäten, die dabei überschritten, aber auch gebildet werden, und zu den kreativen Ausdrucksformen dieser Prozesse in unterschiedlichen Medien.

Im Folgenden werden beispielhaft einige Projekte vorgestellt, die einen Einblick in die Forschungen am IAS zu diesem Themenschwerpunkt geben können.

Fußballmigration – ein Traum von Europa

Red Bull Academy - Ungruhe HP
Red Bull Academy (Foto: Christian Ungruhe)

Bereits seit einigen Jahren bietet Fußballspielen jungen Afrikanern die Möglichkeit, um einer besseren Lebensperspektive willen nach Europa zu migrieren. Medienberichte thematisieren in diesem Kontext vor allem problematische Auswirkungen dieses Traums: Vorwürfe von Menschenhandel, die Ausbeutung des afrikanischen Fußballs sowie rassistische Anfeindungen gegenüber afrikanischen Spielern in Europa. Die Perspektive der Fußballer selbst wird in den Berichten und Studien aber nur selten beleuchtet. Der Fokus der Forschung liegt daher auf Untersuchungen zur Handlungsfähigkeit der Fußballer im Migrationsprozess. Teilnehmende Beobachtungen unter Straßenfußballern und jungen Talenten in Fußballakademien, biographische Interviews mit afrikanischen Profi- und Amateurspielern in Deutschland sowie Experteninterviews mit Spieleragenten, Trainern und Funktionären sollen Aufschlüsse über die Generierung, Anwendung und Perzeption fußballspezifischen und fußballmigrationsspezifischen Wissens geben. Dabei werden männliche und weibliche Perspektiven von Fußballmigrationen untersucht.

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Klimawandel, Umweltveränderungen und Migration

Logo - Migration Climate and Enviroment

Dieses interdisziplinäre Forschungsprojekt beschäftigt sich mit dem Umweltwandel und Migration in Mali und Senegal. Politiker und Wissenschaftler bezeichnen den Klimawandel als eine der größten Bedrohungen für menschliche Entwicklung in Afrika und sagen massive Bevölkerungsbewegungen als Folge einer zunehmenden Zahl von Extremereignissen wie Dürren, von zunehmender Wasserknappheit, Abnahme der Nahrungsmittelproduktion und Verlust an Biodiversität voraus. Dabei ist das Konstrukt der „Umweltflucht“ aufgrund des ihm inhärenten Geodeterminismus, der konzeptionellen Unklarheiten und politischen Instrumentalisierungen höchst problematisch. Umweltveränderungen als Hauptursache für Migration zu identifizieren ist praktisch unmöglich. Daher beschäftigt sich das Forschungsprojekt mit den multiplen Ursachen von Migration im Sahel um die internen Logiken zu verstehen und Migrationsbewegungen theoretisch zu kontextualisieren.

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Marokkanische Musik-Festivals

Festivals Driss HP
(Foto: Driss el Maarouf)

In Marokko haben Musikfestivals derart an Bedeutung gewonnen, dass sie sich zum meta-artistischen Aushängeschild des Landes entwickeln. Die Festivals finden zu sehr unterschiedlichen Zeiten und an unterschiedlichen Orten statt. Sie unterbrechen den normalen Lebensrhythmus der Städte und Städter, lassen kunstvoll transkulturelle Situationen entstehen, führen zu grenzerweiternden Begegnungen und wirtschaftlichen Möglichkeiten. Musikfestivals bestimmen die Städte in der gleichen Art und Weise, wie die Städte selbst das Festival formen. Die Untersuchung von drei marokkanischen Musikereignissen, dem Mawazine-Festival (Rabat), dem Gnawa-Festival (Essouira) und dem Fez-Festival für sakrale Weltmusik (Fez), ist ein Versuch, sich mit der Frage der zunehmenden „Festivalisierung“ in Marokko zu beschäftigen. Die Festivals sind vor allem ein Zeichen für den Kampf, der nicht nur zwischen lokal und global, zwischen traditionell und modern, zwischen national und trans-national, sondern auch zwischen Peripherie und Zentrum, dem Urbanen und dem Urtümlichen, dem Authentischem und der Fälschung, dem Geistlichen und dem Weltlichen besteht. Auf jeden Fall entwickeln sich die marokkanischen Festivals „zu einem werdenden Anderen“ (Deleuze). Heute haben sich die marokkanischen Festivals von der typischen lokalen Feierlichkeit (moussems) zu globalen Kundgebungen entwickelt, reißen urbane Räume, Einheimische, Ortschaften und Identitäten durcheinander in einen verwirrenden und ambivalenten Strudel. Sie sind keine isolierten Events, sie werden nun rational produziert und von bürokratischen Organisationen gemanagt, die für die musischen Belange zuständig sind.

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