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quadrat Das Timing von Djembe-Rhythmen

Dr. Rainer Polak (Bayreuth)

»Das Timing von Djembe-Rhythmen. Mikrorhythmische Strukturen und metrische Grundlagen westafrikanischer Perkussionsmusik«

Förderinstitution: Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)
Art der Förderung: Forschungsstipendium
Laufzeit: Januar 2006 – Dezember 2007


Millisekundengenaue Vermessung des Timings von Trommelschlägen. Foto: R. Polak

Millisekundengenaue Vermessung des Timings von Trommelschlägen (Foto: Polak)

Groove ist die musikalische Eigenschaft, innere Anteilnahme am rhythmischen Geschehen und Bewegungsfreude hervorzurufen. Groove basiert wesentlich darauf, dass die Abstände zwischen den Noten (Impulsen) auf der Ebene des kleinsten Notenwertes (Pulsation) nicht strikt isochron ausfallen, sondern gemäß komplexer Muster gedehnt und gestaucht werden. Solche mikrorhythmischen Strukturen wurden bislang vorwiegend im Bereich afro-amerikanischer Tanzmusik untersucht. Die Analyse der Rhythmik afrikanischer Musik ist dagegen bis heute von der Theorie der Elementarpulsation geprägt. Diese postuliert eine äquidistante Pulsation kleinster isochroner Zeiteinheiten als verbindliches metrisches Bezugsraster.

Das Vorhaben hat zum Ziel, das Verhältnis von Groove und Pulsation in der westafrikanischen Djembe-Musik empirisch zu klären und konzeptuell in Einklang zu bringen. Der zentrale Ansatz ist die millisekundengenaue, computergestützte Vermessung des Timings von Djembe-Rhythmen. Die formale Analyse wird durch qualitative Methoden ergänzt, um die Bedeutung mikrorhythmischer Strukturen aus emischer Sicht zu erfassen. Der Datenerhebung dienen zwei jeweils zweimonatige Feldforschungsreisen nach Mali.

Djembe-Musik ist die populärste Form von Perkussionsmusik in Westafrika und weltweit. Ihre ungemein breite und zunehmend differenzierte gesellschaftliche Aneignung auch in Deutschland legt nahe, die Ergebnisse der Fallstudie nicht nur im Hinblick auf musiktheoretische, sondern auch musikpädagogische und -praktische Relevanz aufzubereiten und zu publizieren.

Videoausschnitt 1: Aufnahme-Session mit mobilen Studio-Equipment (MPEG-Datei, 17,3 MB)

Madu Jakite (dunun), Drisa Kone (djembe solo) und Kasim Kuyate (djembe acc.) spielen den Rhythmus sumalen. Bamako, Februar 2006.

Videoausschnitt 2: Der Forscher als teilnehmende Persönlichkeit (MPEG-Datei, 2,4 MB)

Madu Jakite, Drisa Kone und Rainer Polak spielen den Rhythmus wolosodon. Das musikologische Forschungsprojekt mag technisch orientiert erscheinen, Polaks Ansatz ist jedoch -- bei aller Begeisterung für die Möglichkeiten digitaler Aufnahmen und Analyse-Software -- generell ethnographisch und partizipativ geprägt: Polak nimmt als Djembe-Spieler an traditionellen Festen teil. Das folgende Beispiel entstand, als Polak zu Beginn einer Aufnahme-Session (links ausserhalb des Bildrandes) aufgefordert wurde, erst einmal selbst etwas zum Besten zu geben, bevor der alte Meister-Trommler (Tanba Dunbia, links ausserhalb des Bildrandes) die Trommel anlangt. Drisa Kone (rechts im Bild, djembe Begleitung) muss lachen, weil Polak bewusst Figuren spielt, welche aus dem Repertoire des verstorbenen Djembe-Spieler Yamadu Dunbia stammen, welcher Lehrer und Meister sowohl Drisa Kones als auch Tanba Dunbias gewesen war. Kourouba, April 2007.

Videoausschnitt 3: Djembe Festmusik (MPEG-Datei, 5,1 MB)

Drissa Kone (djembe solo), Madu Jakite (Dunun solo), Sedu Balo (djembe Begleitung) und Moriba Kuyate (dunun Begleitung) spielen den Rhythmus sanja (auch: jeli-fòli, Rhythmus der Griots) auf einem Hochzeitsfest. Bamako, Januar 2006.

Datenauswertung mit einem Tabellenkalkulationsprogramm. Foto: R. Polak Datenauswertung mit einem Tabellenkalkulationsprogramm (Foto: Polak)

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