Institute

of

African Studies

Finanzierung von Wohnraum für urbane Marginalgruppen und Potentiale der Mikrofinanzierung für eine nachhaltige Slum-Sanierung am Beispiel von Dar es Salaam, Tansania


  

Manager:


  

Prof. Dr. Beate Lohnert



Chair:

Geographische Entwicklungsforschung

Contact:

beate.lohnert@uni-bayreuth.de

Staff:

Koch, M.A. Christoph

Term:

2010 - 2015

Web:

http://www.lsge.uni-bayreuth.de/de/projects/23/ind...

Das Städtewachstum in subsaharischen Ländern führt zu einer Wohnbaukrise nicht nur in Dar es Salaam. Gleichzeitig sind Mikrofinanz-Ansätze in der Entwicklungszusammenarbeit vieldiskutiert und zunehmend verbreitet – ebenfalls (neuerdings verstärkt) im Bereich der Wohnbauverbesserung. Mikrofinanz scheint der „en vogue“ Lösungsansatz der Entwicklungs-zusammenarbeit weltweit zu werden, spätestens seit die Vereinten Nationen 2005 das Jahr des Mikrokredites ausgerufen haben und Muhammad Yunus, der Gründer des Grameen Bank Programmes für seine Bemühungen in ländlichen Regionen in Bangladesch den Friedensnobelpreis erhalten hat. Inzwischen sind ähnliche Ansätze weit über den indischen Subkontinent hinaus verbreitet und NGOs wie Mikrofinanzorganisationen entwarfen verschiedene Konzepte. Während diese in südamerikanischen und euroasiatischen Ländern sehr große wirtschaftliche Erfolge erzielen konnten, können die Ergebnisse nicht auf afrikanische Länder übertragen werden. Dort bestehen traditionelle und/oder informelle Spar- und Kreditgruppen (UPATUs, ROSCAs, SACCOs) weiterhin neben offiziellen Mikrofinanz(bank)angeboten.


Daher ist es interessant zu fragen, wie Tansanier ihrerseits die persönlichen Chancen und Herausforderungen im Mikrofinanzsektor bewerten. Welche Angebote sie bevorzugen und warum sie häufig – wie vorausgehende Untersuchungen gezeigt haben – mehrere Mikrokredit¬möglichkeiten gleichzeitig nutzen. Gerade in den Städten ermöglichen verschiedene Angebote den Kunden eine Auswahl im Finanzsektor.


Gleichzeitig haben wir im städtischen Kontext weniger traditionell-kulturelle Einflüsse innerhalb der Spar- und Kreditgruppen dafür aber vermutlich andere Formen der Kontrolle, um das Vertrauen zwischen Einlegern und Schuldnern sicher zu stellen. Diese und die Auswirkungen auf die sozialen Netzwerke und Vulnerabilität der Schuldner, besonders das Sozialkapital von Hausinvestoren, stellen den Rahmen der Untersuchung dar.


Die Forschungsergebnisse anderer Mitglieder der Forschungsgruppe bezüglich Finanzierung von Unterkünften von Marginalgruppen werden aufgegriffen und dadurch sollen die Auswirkungen und die Nachhaltigkeit von speziellen (Mikro-)Wohnraumfinanzprogrammen langfristig beobachtet werden.


Der gewählte integrative Forschungsansatz zu sozialen Netzwerken und zum Lebensunterhalt wird speziell den Sozialkapital-Beziehungen nachgehen. Dazu werden unterschiedliche Fragebögen eingesetzt und Experteninterviews, narrative Gespräche ebenso wie vertiefende Interviews mit Mitarbeitern des Mikrofinanzsektors, mit Klienten der Spar- und Kreditgruppen sowie formellen und informellen Institutionen durchgeführt und ausgewertet. Gruppendiskussionen und materialgestützte Interviewformen („participatory mapping“; Einsatz von Rankings und Satellitenbildern) runden die Methodologie ab.