Institute

of

African Studies

Die Produktion des städtischen Raumes in Marokko: Politik, Stadtplanung und private Akteure im Entwicklungskontext


  

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Seit Anfang des 20. Jahrhunderts unterliegen die Städte und das Städtesystem sowie die urbane Kultur und Politik in Marokko einem rasanten und tief greifenden Wandlungsprozess. Durch das Zusammenspiel des europäischen (französischen) Einflusses, der massiven Zuwanderung vom Land, der Migration städtischer Eliten in die neuen Zentren Casablanca und Rabat an der Atlantikküste sowie durch ein starkes Bevölkerungswachstums veränderte sich das Bild der Städte und des Städtesystems grundlegend. Während die städtische Bevölkerung in Marokko im Jahre 1960 nur 3.389.000 Personen (ländliche Bevölkerung: 8.237.000) umfasste, steigerte sich diese Zahl bis 1999 auf 15.401.000 (ländliche Bevölkerung: 12.837.000). Im Jahre 1960 betrug die Urbanisierungsrate lediglich 29 %, während 2007 bereits ein Wert in Höhe von 57 % erreicht wurde. Allein an diesen Zahlen wird das Ausmaß des städtischen Wachstums in Marokko deutlich, dass bis heute erhebliche Probleme nach sich zieht (Versorgung mit Wohnraum und Infrastruktur, Überbelegung der vorkolonialen Altstädte, informelle Siedlungen, Squattersiedlungen, soziale Polarisierung, hohe Arbeitslosigkeit, Abfallentsorgung, Umweltprobleme, Probleme im Bereich der Infrastruktur und des Verkehrs, etc.). Angesichts des skizzierten urbanen Wandels in Marokko und der vielfältigen Probleme stellt sich die Frage nach der Rolle von Politik, Stadtplanung sowie privaten Akteuren im Entwicklungsprozess der Städte. Seit dem Jahr 2000 werden auf verschiedenen Ebenen zahlreiche Strategien zur Neugestaltung von Städtebau und Stadtplanung in Marokko entworfen und sehr zügig realisiert. Den Anstoß dazu gaben mehrere königliche Direktiven, in denen insbesondere der Wille zur Bekämpfung jeglicher informeller Siedlungen (insbesondere Squattersiedlungen) ausgedrückt wurde. Seitdem hat die Stadtentwicklung in Marokko eine enorme Dynamik entfaltet, die u.a. zahlreiche – z.T. spektakuläre - Großprojekte (z.B. Bouregreg-Projekt in Rabat, der Bau von großen Entlastungsstädten in der Umgebung von Rabat und Marrakesch) umfasst und einen kräftigen Bauboom ausgelöst hat. In vielen Fällen wurden ausländische Investoren (insbesondere aus den Golfstaaten und Europa) eingebunden. Die aktuellen Stadtentwicklungsprojekte und die Reformierung der Planungskultur werden zudem als Bausteine einer allgemeinen Regionalentwicklung verstanden. Die derzeit zentralen Fragestellungen des Projektes lauten: Wie gestaltet sich die Governance (Zusammenspiel staatlicher, kommunaler und privater Steuerungs- und Regelungssysteme) im Bereich der Stadtentwicklung Marokkos vor und nach den Reformen? Wie werden die aktuellen Großprojekte der Stadtentwicklung geplant und realisiert? Welche Stadtentwicklungsprobleme sollen durch die Projekte wie gelöst werden? Welche Folgeprobleme ziehen die Projekte nach sich? Welche Impulse ziehen die Stadtentwicklungsprojekte für die Regionalentwicklung nach sich? Stand der Arbeiten: Seit 1994 konnten im Rahmen von Forschungsaufenthalten (zu anderen Themen, die jedoch Überschneidungsbereiche aufwiesen), Lehraktivitäten an der Universität Muhammed V. in Rabat und Exkursionen Literatur, Materialien und Kenntnisse durch Gespräche und Interviews mit Experten gesammelt werden. Eine Publikation über einige bisherige Ergebnisse ist fertig gestellt (siehe Publikationsverzeichnis) und wird im Juli/August in der Geographischen Rundschau erscheinen. Zudem ist mit fortschreitender Entwicklung der aktuellen Projekte in der Stadtplanung und Stadtentwicklung ein Antrag auf Drittmittelförderung für ein Forschungsprojekt zu der skizzierten Thematik vorgesehen. In Marokko besteht eine enge Kooperation mit Prof. Dr. Taoufik Agoumy (Université Mohammed V. – Départment de Géographie – Rabat) und Prof. Dr. Abdelkader Kaioua (Ministère de l’Aménagement du Territoire, de l’Eau et de l’Environnement – Inspection Regionale du Grand Casablanca).