Institute

of

African Studies

Kunstwelten in Interaktion


  

Manager:


  

Prof. Dr. Tobias Wendl


  

Dr. Ulf Vierke



Chair:

Iwalewa-Haus

Contact:

tobias.wendl@uni-bayreuth.de

Staff:

Siegert, M.A. Nadine

Term:

07 / 2003 - 06 / 2007

Web:

http://gepris.dfg.de/gepris/projekt/5412939

Das Projekt untersucht die Dynamik der Entstehung und des Zusammenwirkens unterschiedlicher lokaler Kunstwelten. Entgegen dem dominanten Paradigma von der Hegemonie der westlichen Kunstwelt und ihrer fortschreitenden Einverleibung nicht-westlicher Kunstwelten wird versucht, diese Perspektive um die Rekonstruktion anderer Interaktionsverläufe zu erweitern.


Das Projekt besteht aus zwei auf einander aufbauenden Teilstudien. In der ersten Studie wird das Thema der Interaktion am Beispiel Paris–Dakar entlang dreier historischer Schnitte entwickelt:


1) der Zwischenkriegszeit (1920-1939), der Hochzeit des Surrealismus und der alterisierenden Vereinnahmung der afrikanischen („Stammes“)-Kunst durch die Pariser Avantgarde.


2) der Zeit der Unabhängigkeit, in der eine eher reaktiv-rezeptive Dakarer Kunstwelt sich der Pariser Moderne öffnet (1957 wird in Dakar die „Ecole des Arts du Sénégal“ gegründet, 1966 findet hier das ganz im Geist des Panafrikanismus und der Negritude konzipierte „Erste Weltfestival afrikanischer Kunst“ statt.


Und schließlich 3) der 1990er Jahre, die dadurch gekennzeichnet sind, dass sich die Dak’Art als feste Größe im Karussell der Kunstbiennalen etabliert und mit ihr die von der Pariser Zeitschrift Revue Noire propagierte Diskursfigur der „zeitgenössischen afrikanischen Kunst“.


Zeitgleich ist nun aber auch eine zunehmende Deterritorialisierung der künstlerischen Praxis zu verzeichnen. Konzept- und Medienkunst verdrängen Malerei und Plastik, und eine Vielzahl afrikanischer Künstler siedelt (temporär oder ganz) nach Paris über, um in der dortigen Kunstwelt tätig zu sein. Während die erste Teilstudie in dieser Weise den Verlauf von Wechselwirkungen zwischen den beiden Kunstwelten in Paris und Dakar untersucht, widmet sich die zweite Studie einer hieraus resultierenden Nebenlinie dieser Prozesse, die als typisch für den Niederschlag und die mehr oder weniger kontingenten Folgewirkungen solcher Interaktionen im Bereich der Kunstwelt angesehen werden kann. Auch sie bewegt sich entlang der oben skizzierten Schnittpunkte, platziert diese aber regional versetzt und folgt ihr in der ihr eigenen inhaltlichen Ausrichtung. Im Mittelpunkt der Untersuchung stehen die Entwicklungen in Nigeria. Wie am Beispiel der Yorubastadt Osogbo aufgezeigt wird, führte auch hier die ästhetische Moderne in Europa in den späten 1950er Jahren zur Gründung einer lokalen Kunstwelt, auch hier kam es 1977 mit dem legendären FESTAC zur Ausrichtung eines Weltfestivals afrikanischer Kunst, de facto die Folgeveranstaltung des Festivals von 1966 in Dakar. Anders als in Dakar jedoch begann sich im Falle Osogbos die lokale Kunstwelt nicht nur auf Europa zu beziehen. Vielmehr wurde sie von der Yoruba-Diaspora in den USA entdeckt und in das Zentrum kulturell-religiöser Revitalisierungsbewegungen gestellt mit entsprechenden Folgen sowohl für die Kunstwelt in Osogbo als auch für die Yoruba-Diasporagemeinden in den USA. Zwischen beiden besteht heute ein reger Austausch, dessen Entwicklung und Dynamik in der Teilstudie untersucht wird.


Die beiden das Projekt konstituierenden Teilstudien gewinnen ihre heuristische Prägnanz vor dem Hintergrund der zunehmenden Verschränkung lokaler und globaler Sphären mit jeweils frankophoner und anglophoner Brechung. Übergeordnetes Ziel ist es, zu kulturwissenschaftlich fundierten Modellbildungen im Bereich der Interaktion von Kunstwelten zu gelangen und die aus eben diesen Interaktionsprozessen resultierenden stilistischen, motivischen, ikongrafischen und medialen Synkretismen und Synkretisationen im Bereich der Kunst näher zu fassen.