Institute

of

African Studies

Prozesse der Eskalation und Deeskalation in Nordghana


  

Manager:


  

Prof. Dr. Dieter Neubert


  

Dr. Artur Bogner



Chair:

Entwicklungssoziologie

Contact:

entwicklungssoziologie@uni-bayreuth.de

Staff:

Term:

02 / 2006 - 01 / 2007

Web:

http://www.entwicklungssoziologie.uni-bayreuth.de/...

Ghana gehört zu den Ländern südlich der Sahara, die von größeren Bürgerkriegen bis Heute verschont blieben. Mehrnoch hat Ghana in den letzten 14 Jahren einen Übergang zur parlamentarischen Demokratie mit sichtbaren Erfolg erreicht und, nach Dekaden wirtschaftlichen Abschwungs, ein gemäßigtes Wirtschaftswunder erfahren. Diese positive Blick bedarf einiger Ergänzungen für Nordghana, welches viele gewaltsame lokale Konflikte seit 1980 gesehen hat und 1994 der Ausgangspunkt für einen Bürgerkrieg von einigen Wochen Dauer war. Nach dem Bürgerkrieg in dieser Provinz versuchte ein Bündnis aus ghanaischen und internationalen NGOs zwischen den vier in den Krieg verwickelten ethnopolitischen Fraktionen (aus Dagomba, Konkomba, Nanumba und Gonja) zu vermitteln und initiierte einen Friedensprozess, der zu einem meist weitreichenden Friedensabkommen im Jahr 1996 und zu dessen (im Großen und Ganzen) erfolgreichen Umsetzung führte. Die Themen des Projekts, welches von der Berghof-Stiftung für Konfliktforschung gefördert wird, sind Geschichte, Erklärung und Folgen dieses Friedensprozesses. Was sind seine Lehren für die Tätigkeit des konstruktiven Konfliktmanagements und auch für die Theorie zu kommunalen Konflikten in Afrika? Seit 1994 hat die Bedeutung von NGOs für lokale Deeskalationsprozesse od gewaltsame Eskalation stark zugenommen in Ghana. Mehr und mehr wurden die NGOs - nicht zuletzt die Kirchen und mit ihnen verbundene Organisationen - wichtige Partner in der Kommunikation und Vermittlung für die Fraktionen in lokalen Konflikten wie auch für die Regierung und lokale Verwaltungen. Diese Erfolgsgeschichte führt zu zwei wichtigen Ergebnissen, die normalerweise nicht von Peace-Building-Aktivitäten beabsichtigt sind. Erstens, dort wo interethnische Konflikte erfolgreich deeskaliert wurden, haben innerethnische Konflikte (meistens Konflikte um den Posten des Chiefs) die Tendenz klarer und gewaltsamer zu werden. Die im Peacebuilding aktive NGO wird nun wiederum um Vermittlung in diesem Konfikt gebeten. Dies führt zum zweiten Punkt. Die NGOs haben sich selbst als ein wichtiger lokaler Akteur etabliert, der de facto in eine Kernaufgabe des Staates eingreift, welches die Schaffung und Sicherung der öffentlichen Ordnung ist.


Das Projekt „Prozesse der Eskalation und Deeskalation in Nordghana“ verfolgt drei Hauptziele:



  • Erstens sollen in intensiven qualitativen Fallstudien lokale Prozesse der Eskalation und Deeskalation von Wir-Gruppenkonflikten in Nordghana untersucht werden, insbesondere von ‚kommunalen’ oder ethnopolitischen Konflikten. Dabei soll versucht werden, die Dynamik der sozialen Konfliktkonfiguration der Northern Region Ghanas in allen für die Prognose von gewaltsamen Eskalationsprozessen relevanten Dimensionen zu erfassen und eine Einschätzung der aktuellen Sicherheitslage in dieser Provinz zu erstellen. Dabei soll das Augenmerk entsprechend dem spezifischen Charakter dieser substaatlichen Konfliktfiguration besonders auf den verschiedenartigen lokalen Konfliktszenarien liegen, aus denen sie sich zusammensetzt, und auf der Aufklärung der jeweils unterschiedlichen spezifischen Eskalationsdynamik in unterschiedlichen „Districts“ bzw. „Traditional Areas“.

  • Das Projekt soll zweitens an zentraler Stelle eine historische Untersuchung und Einschätzung der Folgen der von einem Zusammenschluss zahlreicher Nichtregierungsorganisationen („Inter-NGO Consortium“) und von der ghanaischen Regierung teils parallel, teils konkurrierend unternommenen Schlichtungsbemühungen einschließen, die im Anschluss an den kommunalen Bürgerkrieg des Jahres 1994 einsetzten. An der Vermittlungstätigkeit des Inter-NGO Consortium wirkten Mitarbeiter der Nairobi Peace Initative maßgeblich mit, einer mit Friedensarbeit befassten kenianischen Nichtregierungsorganisation. Der offenbar sowohl beachtenswerte als auch begrenzte Erfolg dieser Interventionen legt eine Studie nahe, die die beiden hier genannten Hauptaufgaben miteinander verbindet.

  • Drittens soll auf diesem Weg versucht werden, die Methoden und Grundkonzepte einer empirisch fundierten Konfliktszenarioanalyse weiterzuentwickeln, die auf die Früherkennung der Eskalationschancen in substaatlichen Konfliktfigurationen im subsaharischen Afrika abzielt. Dabei ist die Untersuchung lokaler  Konflikte bzw. Konfliktkonstellationen von doppelter Bedeutung. Zum einen spielen lokale  Konfliktkonstellationen in den zumeist dezentralen Konflikten des subsaharischen Afrika eine oft zentrale Rolle und zum anderen ist gerade die Dynamik der lokalen Eskalationsprozesse und -mechanismen bislang wenig systematisch erforscht worden. Der so genannte „Northern Conflict“ in Ghana bietet sich für ein solches Vorhaben u.a. aufgrund der zeitlichen Begrenztheit der Gewaltausbrüche, d.h. der bislang relativ niedrigen Eskalationsstufe der fraglichen Konflikte und deren Einbettung im Kontext eines relativ stabilen „Nationalstaats“ an.


Ghana is among the countries south of the Sahara that have been spared larger-scale armed conflicts until today. Moreover, during the past 14 years, Ghana has achieved the transition to parliamentary democracy with apparent success and, after decades of economic decline, experienced a kind of modest economic miracle. This favourable view needs considerable qualification with regard to the Northern Region that saw many violent local conflicts since 1980 and was in 1994 the venue for a civil war that lasted several weeks. After the civil war in this province a consortium of Ghanaian and international NGOs attempted to mediate between the four ethno-political factions (from Dagomba, Konkomba, Nanumba and Gonja) involved in the war and initiated a peace process that led to an almost comprehensive peace treaty in 1996 and to its (on the whole) successful implementation. The themes of the project that is funded by the Berghof Foundation for Conflict Studies are the history, explanation and consequences of this peace process. Which are the lessons to be learnt from it for the practice of constructive conflict management as well as for the theory of communal conflicts in Africa? Since 1994 the importance of NGOs for the local processes of de-escalation or violent escalation has greatly increased in Ghana. More and more the NGOs – last not least the churches and organisations connected to them – have become important partners in communication and mediators for the factions in local conflicts as well as for the government and local administrations. This success story leads to two important results that are usually not intended by peace-building activities. First, whereas interethnic conflict has been successfully de-escalated, intra-ethnic conflicts (most often chieftaincy conflicts) tend to become more pronounced and more violent. The NGOs active in peacebuilding are now again asked to mediate in these conflicts. This leads to the second point. The NGOs have established themselves as an important local actor that de facto interferes in a core activity of the state which is the guarantee of creating and maintaining public order.